RANDZONENAUFKRÜMMUNG BEI ESTRICHEN

Was verbirgt sich hinter diesem Wort? Welche Schäden können auftreten? Wie kann man das vermeiden oder reduzieren?

Eine Sache die immer wieder zu Reklamationen führt und doch noch oft zu ratlosen Gesichtern führt, sind Schadensbilder wie:

 

  • abgerissenen Acrylfugen zwischen Boden und Sockelleiste.
  • Scheinbar „Mit Bodenabstand“ montierte Sockelleisten
  • unebene Anschlüsse zu anderen Bauteilen wie Hebeschiebetüren usw.

 

Oft reklamiert und Auslöser von teuren Sachverständigengutachten ist die Ursache immer die gleiche. Während der Trocknungsphase von Zementestrichen krümmen sich die Randzonen nach oben. Der Estrich „schüsselt auf“. Dabei heben sich die Ränder und besonders gerne die Ecken um einige Millimeter nach oben. Die unterschiedliche Feuchteverteilung im Estrichquerschnitt ist dafür verantwortlich. Beton quillt, bzw. schwindet mit Feuchtigkeitsänderung zwar nur minimal. Das aber reicht aufgrund der Dimensionsverhältnisse (mehrere Meter lang aber nur wenige cm-dick) aus, um eine deutliche Krümmung zu erzeugen. Während die, in der Bauphase meist gut belüftete, Oberfläche Wasser ungehindert an die Luft abgeben kann, liegt der Estrich unten auf einer Folie und bleibt länger feucht. Dadurch ist der Estrich unten „minimal größer“ als oben und schüsselt auf.

Es heißt aber nicht zwangsläufig, dass der Estrich noch zu nass ist um Böden zu verlegen. Auch bei bereits erreichten Werten von 1,6% nach der CM Messung kann eine starke Aufkrümmung vorliegen. Ich habe Estriche vermessen die unten 1,6% nach der CM Methode aufwiesen und damit verlegereif waren. Oben waren da oft nur 0,6% zu messen. Die Aufkrümmung ist damit unvermeidbar. Wenn darauf dann ein Bodenbelag verlegt wird, „isoliert“ dieser die Estrichoberfläche gegen die Raumluft und die noch vorhandene Restfeuchte im Estrich verteilt sich gleichmäßig im gesamten Estrich Querschnitt. Die Aufkrümmung  legt sich. Die Estrichkanten und Ecken senken sich ab. Das dauert meist nur wenige Wochen. Im beil. Bild waren es bis zu 8mm in den Ecken.

 

Unserer Erfahrung nach sind besonders beschleunigte Zement – Estrichsysteme betroffen. Diese sind in dieser Hinsicht noch problematischer als normale Zementestriche. Die heutzutage oft nötigen kurzen Bauzeiten tun ihr übriges dazu. Bild 2 zeigt einen, nach 14-tagen belegereifen Estrich der aufgrund der knappen Platzverhältnisse auch noch sehr dünn eingebracht wurde. Die Absenkung lag bei ca. 3mm überall, an manchen Stellen sorgar bis zu 8mm !!!

Das betrifft nicht nur Randzonen, sondern bei großen Fläche auch die raumquerenden Schwindfugen welche bei Zementestrichen notwendig sind und die große Fläche auf mehrere Teilflächen reduziert. Diese Fuge ist dann die Randzone für jeder der angrenzenden Flächen . Dort gibt es einen „Erhöhung“ über den die Messlatte hin und her kippt wenn man sie darüberlegt. Soche „Gipfel“ kann man vor der Belagsverlegung etwas abschleifen um sie zu entschärfen. Eine völlige Beseitigung ist aber nicht sinnvoll, weil nach dem Absenken dieser „Ränder“ dann eine Vertiefung entstehen könnte.

Was kann man vorbeugend machen:

  • CSFE Anhydritestriche verwenden, die machen das gar nicht und sind auch deutlich ebener als Zementestriche
  • Zementestriche mit Fussbodenheizung nach dem Abheizen mehrere Tage warten bis zur Bodenverlegung reduziert den Effekt ein wenig.
  • Nach der Bodenverlegung nicht sofort die Sockelleisten montieren. 6 bis 8 Woche reichen meist aus um den Effekt auf ein unauffällinges Maß zum minimieren.
  • Geschraubte Sockelleisten kann man um einige Millimeter absenken indem man die Schraube lockert, die Leiste drückt und die Schraube wieder festzieht. Bei geklebten Leisten ist das nicht so einfach.

Es ist bei jedem Bauvorhaben individuell zu entscheiden ob Maßnahmen nötig sind. Es ist aus Erfahrung auch nur sehr selten ein tatsächliches Problem, weil es in möblierten Wohnungen kaum auffällt und die Absenkung meißt nur gering ist und/oder die meißten Menschen nicht so genau darauf achten.